Sie erklären, was wichtig ist. Sie fragen nach, bieten Unterstützung an und versuchen, Orientierung zu geben. Trotzdem haben Sie das Gefühl, Ihr Team nicht mehr zu erreichen.
In Besprechungen kommt wenig zurück. Vereinbarungen werden unterschiedlich verstanden. Gespräche bleiben oberflächlich, obwohl Sie spüren, dass etwas unausgesprochen im Raum steht.
Das kann verunsichern – gerade dann, wenn Ihnen die Zusammenarbeit wichtig ist. Wo können Sie ansetzen, um wieder mit Ihrem Team ins Gespräch zu kommen?
„Wenn eine Führungskraft ihr Team nicht mehr erreicht, lohnt es sich deshalb, zunächst genauer auf Erwartungen, Zuständigkeiten und Entscheidungsspielräume zu schauen.“
„Was genau funktioniert gerade nicht?“
Für eine veränderte Zusammenarbeit kann es verschiedene Gründe geben: neue Anforderungen, häufig wechselnde Prioritäten, ungelöste Konflikte oder Erwartungen, die bisher niemand klar ausgesprochen hat.
Vielleicht erleben Mitarbeitende wenig Einfluss auf Entscheidungen. Vielleicht fehlt nach einer Veränderung die Orientierung. Möglicherweise ist auch eine Ihrer Entscheidungen anders angekommen, als Sie beabsichtigt haben.
Schauen Sie dabei auch auf die Bedingungen im Unternehmen:
- 01Sind Zuständigkeiten klar?
- 02Können Schwierigkeiten offen angesprochen werden?
- 03Haben Mitarbeitende die Informationen und die Zeit, die sie für ihre Aufgaben brauchen?
Ein hilfreicher Ausgangspunkt ist, die eigene Wahrnehmung zu überprüfen und die Sichtweisen der Mitarbeitenden kennenzulernen.
Welche Erwartungen sind tatsächlich geklärt?
Wenn Sie Ihr Team nicht mehr erreichen, lohnt sich ein Blick auf die Erwartungen hinter den Aufgaben. Was für Sie selbstverständlich ist, kann bei anderen anders angekommen sein. Klären Sie deshalb gemeinsam: Welches Ergebnis wird gebraucht? Was hat Vorrang? Und welche Entscheidungen darf die zuständige Person selbst treffen?
Drei Fragen für Ihr nächstes Gespräch„Was war aus Ihrer Sicht vereinbart?“
„Was hat die Umsetzung erschwert?“
„Welche Entscheidung konnten Sie selbst treffen?“
„Wie eröffne ich das Gespräch?“
Hören Sie zunächst zu. So können Sie unterscheiden, ob Informationen fehlen, Prioritäten miteinander konkurrieren oder Entscheidungsspielräume unklar sind.
Fragen Sie auch nach Ihrem eigenen Anteil: „Was hätte ich deutlicher sagen oder früher entscheiden müssen?“ Daraus lässt sich eine Vereinbarung entwickeln, die sowohl Ihre Erwartungen als auch die Arbeitsbedingungen im Team berücksichtigt.
„Mir ist aufgefallen, dass wir bei der letzten Übergabe unterschiedliche Erwartungen hatten. Ich möchte verstehen, wie Sie die Situation erlebt haben, und mit Ihnen klären, was wir künftig brauchen.“
Fünf Schritte, um Ihr Team wieder zu erreichen
01Beschreiben Sie, was Sie konkret beobachtenEine nachvollziehbare Situation macht den Anfang.
„Mein Team zieht nicht mehr mit“ beschreibt ein Gefühl. Für ein klärendes Gespräch brauchen Sie konkrete Situationen.
Fragen Sie sich: Was hat sich verändert? Seit wann fällt es mir auf? Betrifft es das gesamte Team oder einzelne Personen?
So könnten Sie beginnen„Mir fällt auf, dass in unseren letzten Besprechungen nur wenige Rückfragen kamen und wir vereinbarte Aufgaben anschließend unterschiedlich umgesetzt haben. Ich möchte verstehen, woran das liegt.“
Damit machen Sie Ihre Beobachtung besprechbar, ohne anderen bereits eine Absicht zu unterstellen.
02Schaffen Sie Raum für ehrliche AntwortenMit offenen Fragen unterschiedliche Perspektiven kennenlernen.
Beginnen Sie bei sensiblen Themen mit Einzelgesprächen. Dort können Sie unterschiedliche Perspektiven kennenlernen, bevor Sie gemeinsame Fragen im Team bearbeiten.
Hilfreiche Fragen sind:
- Was erschwert Ihnen gerade die Arbeit?
- Wo sind meine Erwartungen oder Entscheidungen unklar?
- Was brauchen Sie von mir, um gut arbeiten zu können?
- Gibt es etwas, das wir bisher zu wenig angesprochen haben?
Lassen Sie nach einer Frage Zeit. Wenn bislang wenig offen gesprochen wurde, ist möglicherweise mehr als ein Gespräch nötig.
03Hören Sie zu, bevor Sie Ihre Sicht erklärenErst verstehen, was beim Gegenüber angekommen ist.
Kritische Rückmeldungen können den Impuls auslösen, die eigene Entscheidung sofort zu begründen. Versuchen Sie zunächst zu verstehen, was Ihr Gegenüber erlebt hat.
Verständnis überprüfen„Wenn ich Sie richtig verstehe, war für Sie nach unserer letzten Besprechung nicht klar, welche Aufgabe Vorrang hat.“
Fragen Sie anschließend, ob Sie den Punkt richtig erfasst haben. Danach können Sie Ihre Sicht ergänzen.
Sie können eine Rückmeldung ernst nehmen und zugleich erklären, welche Anforderungen oder Grenzen bestehen. So wird nachvollziehbar, wo Sie Handlungsspielraum haben und wo Entscheidungen bereits feststehen.
04Übersetzen Sie das Gespräch in eine konkrete VereinbarungVerantwortung, Termin und Entscheidungsspielraum festhalten.
Wählen Sie einen Punkt aus, den Sie gemeinsam verbessern können.
Wenn beispielsweise wechselnde Prioritäten für Unsicherheit sorgen, könnte die Vereinbarung lauten: Zu Wochenbeginn werden die wichtigsten Aufgaben benannt. Kommt kurzfristig etwas hinzu, wird ausdrücklich geklärt, welche andere Aufgabe dafür zurückgestellt wird.
Halten Sie fest:
- Was ändern wir?
- Wer übernimmt welchen Schritt?
- Bis wann ist der vereinbarte Schritt umgesetzt?
- Was darf die zuständige Person selbst entscheiden, und wann ist Rücksprache nötig?
- Woran erkennen wir eine Verbesserung?
- Wann sprechen wir wieder darüber?
Prüfen Sie auch, ob Zeit, Informationen und Zuständigkeiten zur Vereinbarung passen. Fehlen diese Voraussetzungen, braucht es zusätzlich eine organisatorische Klärung.
05Machen Sie sichtbar, was aus Rückmeldungen wirdVereinbarungen aufgreifen und gemeinsam weiterarbeiten.
Greifen Sie die Vereinbarung zum angekündigten Zeitpunkt wieder auf. Fragen Sie beispielsweise nach zwei Wochen:
Gemeinsam zurückschauen„Was ist dadurch leichter geworden? Wo besteht weiterhin Unklarheit?“
Benennen Sie, was Sie selbst umgesetzt haben. Wenn etwas nicht möglich war, erklären Sie den Grund und besprechen Sie den nächsten Schritt.
Verlässlichkeit zeigt sich auch darin, offene Punkte wieder aufzugreifen. Ein Gespräch gewinnt an Bedeutung, wenn die Beteiligten erkennen, was daraus folgt.
Auch die eigene Führungsrolle verdient Aufmerksamkeit
Wenn Sie Ihr Team nicht mehr erreichen, lohnt sich neben dem Blick auf die Zusammenarbeit auch eine ehrliche Selbstreflexion:
- Bin ich in Gesprächen aufmerksam oder gedanklich schon beim nächsten Problem?
- Welche Erwartungen setze ich voraus, ohne sie auszusprechen?
- Wie reagiere ich, wenn jemand widerspricht?
Vielleicht stehen Sie selbst zwischen widersprüchlichen Anforderungen der Geschäftsleitung und den Möglichkeiten Ihres Teams. Dann kann es notwendig sein, auch nach oben Prioritäten und Erwartungen zu klären.
Sie müssen dafür nicht sofort alle Antworten haben. Ein konkretes Gespräch und eine verlässliche Vereinbarung sind ein möglicher Anfang.
Wieder Klarheit für die eigene Führungsrolle gewinnen
Im Führungskräfte-Coaching bei decira können Sie eine belastende Situation in Ruhe sortieren: Welche Erwartungen stehen im Raum? Was können Sie selbst verändern? Und wie möchten Sie das nächste Gespräch führen?
Wenn sich Konflikte zwischen mehreren Beteiligten festgefahren haben, kann eine Teammediation sinnvoll sein. Im Erstgespräch klären wir gemeinsam, welche Unterstützung zu Ihrer Situation passt.
Was beschäftigt Sie gerade?
Sie müssen Ihr Anliegen noch nicht genau benennen können. Schreiben Sie mir gern in wenigen Sätzen, was Sie gerade beschäftigt.
Nicole Klingel · info@decira.de